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Digitalisierung im Handwerk - Interview mit Banovo-Geschäftsführer Michael Dreimann

Frage: Herr Dreimann, wie steht es um die Digitalisierung des Handwerks? Gibt es in der Branche bereits Ansätze zur Nutzung von künstlicher Intelligenz?

Michael Dreimann: Das Handwerk liegt bei Digitalisierung und Automatisierung der Prozessschritte noch immer gegenüber anderen Branchen kräftig zurück.  Was die Industrie vor Jahren gemacht hat, läuft bei vielen Handwerkfirmen gerade erst an. Einige Prozesse sind teilweise digitalisiert – etwa die Baudokumentation – aber es gibt in den Betrieben meist keine durchgängigen digitalen Geschäftsmodelle. In der maschinellen Fertigung wird ein wenig experimentiert - etwa in Tischlerein mit Themen wie dem 3-D-Druck oder CAM-Programmen. Allerdings sind das sind nur erste Ansätze. Die Handwerksbetriebe haben es schwer, weil es meist kleine Betriebe sind. Eine durchgängige Digitalisierung der Geschäftsmodelle erfordert schnell Investitionen in Höhe von 4 bis 5 Millionen Euro. Das rechnet sich für viele Betriebe nicht. Zudem fehlen in den Handwerksfirmen IT-Spezialisten. Das digitale Wissen ist kaum vorhanden, daher stockt die Digitalisierung. Ohne die Automatisierung in den Betrieben wird es aber keine künstliche Intelligenz geben, denn dafür benötige ich viele Daten.

Frage: Banovo ist ein Digitalisierungs-Pionier des Handwerks. Sie haben mittlerweile betriebliche Prozesse um Angebot, Abrechnung, Bau und Freigabe digitalisiert und versuchen mit diesen Daten, Erfahrungen im Einsatz künstlicher Intelligenz zu gewinnen. Können Sie Beispiele nennen?

Michael Dreimann: Wir konzentrieren uns zunächst auf die Verkaufs- und Ablaufprozesse. Wenn ich mit unserer Software etwa eine bestimmte Badewanne für eines unserer Bauprojekte aussuche, dann zieht die Software automatisch das Zubehörpaket hinzu. Das funktioniert auf einer „Wenn-Dann-Logik“ und ich muss nur noch klicken „Ja oder Nein“. Pro Angebot erspart mir das vielleicht 10 Minuten. Wenn ich allerdings 100 Angebote im Monat mache, ist der Effizienzgewinn schon recht beachtlich. Künstliche Intelligenz basiert immer auf einer großen Menge von Daten. Falls ich die nicht habe, kann ich auch keine intelligenten Anwendungen bauen.  Wenn ich etwa auf einer Baustelle die Rückmeldung erhalte, dass wir fünfmal das falsche Zubehörpaket erhalten haben, ist unsere Software bald soweit, dass sie das Problem erkennt und das Zubehörpaket automatisch ändert. Oder ich erhalte die Rückmeldung: Ein bestimmtes Badezimmermöbel wird immer wieder kaputt angeliefert, die Kunden sind genervt.  Die Software bietet mir dann eine Alternative für die nächste Bestellung an. Scheinbare Kleinigkeiten in dem Prozess haben große Auswirkungen auf das gesamte Thema Bestellung und die Kundenzufriedenheit. Die Software hilft uns auch dabei, den Fachkräftemangel zu lindern. Und wir können schneller Mitarbeiter einarbeiten, weil sie nicht mehr diese Fachtiefe haben müssen, sondern eben einige Qualitätsprüfungen nicht mehr durch den Fachmitarbeiter, sondern die Software erledigt werden. Und wir sind schneller. Wir bauen die Software selber, denn eine solche Komplettlösung mit hohem Produktfokus gibt es für Handwerksbetriebe nicht. Es geht eben nur Schritt für Schritt. Wir arbeiten mit 13 Personen an dem Projekt.

Frage: Wie hilft Ihre Software den Fachkräftemangel im Bau etwas abzufedern?

Michael Dreimann: Wir werden effizienter, ein Angebotsprozess dauert branchenüblich im Schnitt 20 Stunden, bei uns nur etwa 15. Die Weiterentwicklung der Software wird den Prozess auf 7-10 Stunden reduzieren - also mehr als halbieren. Wir können somit mit der gleichen Anzahl der Badberater die doppelte Anzahl an Kunden bedienen. Auch die Qualität der Leistung wird besser. Dadurch habe ich den Fachkräftemangel in diesem singulären Bereich durch eine Effizienzsteigerung etwas ausgeglichen. Die Software macht den gesamten Prozess effizienter. Wenn sich der Kunde zum Beispiel während des Angebotsprozesses entscheidet, dass er nun doch kein Standard-WC mehr möchte, sondern ein Dusch-WC, dann muss in einem Angebot nicht nur das Produkt geändert werden, sondern es muss auch das Zubehör, die Installationsleistungen und die Elektrotätigkeiten bedacht werden. Das sind viele manuelle Anpassungen. Unsere Software „denkt“ bei einer solchen Produktanpassung selbst an die Auswirkungen und ändert diese auch gleich. Dadurch sparen wir Zeit. Zudem werden Fehler reduziert. Ein weiterer positiver Effekt gegen den Fachkräftemangel ist, dass die Attraktivität des Jobs steigt. Die Kollegen werden durch die Software von immer wieder kehrenden, bürokratischen Aufgaben entlastet und brauchen nicht mehr in Katalogen zu wälzen, um Zubehör auszuwählen. Sie haben weniger Stress und können sich auf das konzentrieren, was sie eigentlich tun wollen: Ein schönes Bad bauen und sich intensiv um die Wünsche des Kunden kümmern. Die Digitalisierung der Prozesskette spart im gesamten Unternehmen weniger attraktive Arbeitsschritte ein – etwa die Angebotserstellung, Warenreklamation, Disposition der Arbeitskräfte oder Rechnungsprüfungen. Dafür bleibt mehr Zeit für den Kunden.

Welche Vorteile und Effizienzgewinne bringt die Digitalisierung für Ihre Kollegen direkt auf der Baustelle?

Michael Dreimann: Die Kollegen haben über unsere Bauleiter-App einen kompletten Zugriff auf alle Daten und Pläne. Eine digitale Warenprüfung verhindert Fehler, schafft Transparenz und ist die Basis für weitere Automatisierung. Wenn auf der Baustelle etwas fehlt oder defekt ist, genügt ein Klick und der Missstand wird automatisch über das System gemeldet, der Händler sofort per mail informiert und das defekte Teil neu bestellt. Der Vorgang muss nicht mehr mühsam per Hand oder Telefon gemacht werden. So wissen wir aufgrund der digitalisierten Warenprüfung recht genau, welche Händler und Hersteller Probleme bei der Lieferung ihrer Waren haben - eine große Erleichterung für alle am Prozess beteiligten Mitarbeiter von uns. Wir wollen die Prozesse so verknüpfen, dass die richtige Frage an der richtigen Stelle gestellt und dann automatisiert abgearbeitet wird. Bei einer Sanierung in einem Hochhaus sollte die Software sofort automatisch den Brandschutz thematisieren, denn in hohen Gebäuden gelten andere Auflagen als in Einfamilienhäusern. Und das hat Konsequenzen für das Angebot.

Frage: Wie könnte der Prozess bei Banovo von der Angebotserstellung bis zur Umsetzung in zehn Jahren aussehen? Welche Chancen und Grenzen gibt es in der Handwerksbranche?

Michael Dreimann: In einigen Jahren wird der Bauleiter eine 3-D-Aufmass-Kamera auspacken und das Bad scannen. Oder der Kunde macht es mit Hilfe seines Smartphones. Auf Basis weniger Inputs wird die Software dann das Angebot automatisch erstellen und dem Kunden 10 Minuten später senden. Die Kamera erfasst die wesentlichen baulichen Gegebenheiten – etwa wie groß der Raum ist, wo die Leitungen genau liegen oder welche Maße das Abwasserrohr hat. Der Badplaner wird ausschließlich Partner des Kunden, berät ihn in Gestaltung, Stil, Farben, Design oder Technik, die Mengenberatung und das Angebotserfassung wird komplett automatisiert. Hier liefern unsere Mitarbeiter schon heute unschlagbaren Mehrwert beim Kunden. Diesen Service wird keine Maschine übernehmen können.

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Die Fragen stellte Andreas Nölting

www.noeltingmedia.com