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Mareike Wächter und Michael Dreimann

"Nur nicht abheben"

Frage: Frau Wächter, Herr Dreimann, Sie sind Unternehmensgründer und stehen damit für den Gründergeist von Hundertausenden in Deutschland. Wie ging es bei Ihnen los und was können andere Gründer aus Ihren Erfahrungen lernen?

Mareike Wächter: Wir haben zunächst um München einen Bogen gemacht, weil wir gehört hatten, dass die Notare dort häufig Probleme mit kleinen Gründerfirmen und ihren Rechtsformen haben. Wir sind dann zu einem Notar in Wolfratshausen gegangen und haben dort die GmbH gegründet. Das lief recht reibungslos. Die Gewerbeanmeldung konnten wir per Post erledigen. Insgesamt hat es nur einen Monat gedauert bis wir alle Formalitäten erfüllt hatten. Unser erstes Büro war in einer Office-Sharing-Factory. Dort konnten wir ein Zimmer mit Internet mieten und gemeinsam loslegen.

Michael Dreimann: Dann haben wir gründlich recherchiert. Wir mussten uns als ehemalige Berater das Fachwissen der Sanitärbranche aneignen, den Markt und sein Volumen kennenlernen. Kurz darauf standen schon die ersten Finanzierungsgespräche an. Wir wollten sehen, ob es überhaupt Investoren gibt, die sich für unsere Idee der internetbasierten Badsanierung erwärmen könnten. Nachdem wir von Investoren das Go erhalten hatten und einen ersten Vertrag aufsetzen sollten, war das Vertragswerk, das wir mit einem Rechtsanwalt formuliert hatten, nach Meinung unserer Geldgeber nicht so gelungen. Es war eben kein Standard-Beteiligungsvertrag und kam etwas unprofessionell rüber. Da haben wir uns verrannt und zwei, drei Wochen verloren.

Frage: Ihr Geschäftsmodell fand bei den Geldgebern sofort Anklang?

Mareike Wächter: Wir haben längere Zeit an unserem Geschäftsmodell gebastelt. Zunächst wollten wir uns auf die Leadgenerierung konzentrieren, also die von uns akquirierten Aufträge an Firmen weiterzugeben. Doch wir merkten schnell, dass wir so keinen Durchgriff auf die Ausführung hatten und die Qualität darunter litt. Diese Problematik hat uns das erste Jahr ziemlich beschäftigt. Wir haben jetzt Abteilungen und Prozessschritte, an die wir anfangs nicht dachten. Es kamen fest angestellte Bauleiter in unser Team. Wir mussten die Prozesse immer wieder anpassen. Das geschieht noch heute.

Michael Dreimann: Es war sehr hilfreich, dass die Investoren uns kannten und vertrauten. Zudem gibt es ja unbestritten einen großen Markt mit bis zu einer Millionen Badsanierungen pro Jahr in Deutschland. Die Grund-Setup-Daten waren also in Ordnung. Die Investoren legen sehr viel Wert auf die Durchsetzungskraft der Gründer. Sie erwarten, dass wir für die Idee brennen und sie am Markt umsetzen können. Der Investor erkennt an den Risiken, die wir auf uns nehmen, und an den geringen Gehältern, die wir uns genehmigen, wie stark wir an unser Modell glauben. Wenn wir momentan ein Viertel unseres alten Gehaltes erhalten, ist das schon viel - gerade mit zwei Kindern und einer Frau im Hintergrund. Es ist ein deutliches Zeichen, dass wir an den Erfolg von Banovo glauben und alle verfügbaren Mittel in das Projekt investieren.

Mareike Wächter: Einige VCs hatten Angst vor dem Handwerkermangel, der uns Probleme bereiten könnte. Unser Business Modell ist hochgradig komplex. Wir öffnen ja keinen Online Shop für T-Shirts. In unserem Metier gibt es tausende von Produkten, jedes Bad ist individuell. Wir bewegen uns eben nicht in der reinen, skalierbaren Softwarebranche, sind eher Old Economy. Unsere Geldgeber sind Privatpersonen und Family Offices, sie sind eher Unternehmer und keine klassischen VCs. Wir hatten bisher vier Finanzierungsrunden und haben knapp drei Millionen eingesammelt.  So können wir wachsen – mit Raten von momentan 70 bis 100 Prozent im Jahr.

Frage: Welche Ratschläge können sie anderen Gründern geben?

Mareike Wächter: Nur nicht Abheben! Ich bin aus Baden, Michael aus Schwaben. Bei uns gab es auch nach einer erfolgreichen Finanzierungsrunde nie ein rauschendes Fest auf der Dachterrasse mit Tischfußballspiel und Party. Wir leben Bescheidenheit und Bodenständigkeit vor. So sind wir eben. Nur nicht ausflippen, auch wenn eine Million auf dem Konto liegt. Das ist wichtig, um auch im Team glaubwürdig zu bleiben.

Michael Dreimann:  Gründer sollten nicht scheuen, sich die Finger dreckig zu machen. Wenn die Reinigungsfirma abgesagt hatte, mussten wir anfangs die Bäder zum Teil selber putzen. Da lernt man, was das Produkt bedeutet. Bei der Finanzierung ist es wichtig, einen klaren Pfad nach vorne zu haben. Wir haben zu viele Investoren angesprochen, die unser Modell nicht spannend genug fanden. So waren wir bei großen Kapitalgebern lange in der Schlange, was zeitlich und inhaltlich sehr anstrengend ist. Heute würde ich klarer überlegen, mit wem ich spreche. Ein stabiles privates Umfeld hilft, wenn es mal nicht so läuft.

Frage: Herr Wendeln, wie haben Sie Frau Wächter und Herrn Dreimann kennen gelernt und was hat Sie überzeugt, als erster Investor bei Banovo einzusteigen?

Bernd Wendeln: Ich habe Herrn Dreimann über das US-Alumni-Netzwerk gefunden, da wir beide in den USA studiert hatten. Er hat mir von seiner Idee erzählt, wir haben uns ein paar Mal getroffen, ich habe Tipps gegeben und mit ihm am Businessplan gearbeitet. Irgendwann fand ich das Vorhaben so interessant, dass ich mich beteiligen wollte und damit der erste Investor wurde. Mich hat das Engagement von Michael Dreimann beeindruckt und ich bin überzeugt, dass er ein guter Unternehmer und Umsetzer ist. Später habe ich dann Mareike Wächter kennen gelernt und schnell erkannt, welch gutes Team die beiden bilden. Sie haben ein Geschäftsmodell im Internet entwickelt und eine Nische gefunden, die noch nicht besetzt ist. Badsanierungen sind zwar eher Old Economy, das gefällt mir aber besser als die vielen hochgehypten Berliner Startups. Wir Investoren haben alle keinen Exit-Druck und können Banovo in Ruhe entwickeln. Wir sehen das Unternehmen auf einem Pfad von 50 bis 100 Millionen Umsatz.

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Das Interview führte Andreas Nölting

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